TSV 1892 Heiligenrode e.V. - Skiabteilung

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Abendlauf 2022
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Der Abendlauf 2020 und 2021 fällt aus.

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Mein längster Tag des Jahres oder der Mainova IRONMAN European Championship Frankfurt 2021

ein Bericht von Olaf Katzer, Startnummer 1465.

Eigentlich sollte er schon im Juni 2020 stattfinden, wurde aber wegen der Pandemie erst auf den Juni 2021 und dann noch mal auf den 15. August verschoben. Zum Zeitpunkt der Verschiebung 2020 lag schon mehr als ein dreiviertel Jahr an Vorbereitung hinter mir. Im Mai wurde dann der Trainingsplan endgültig ad acta gelegt und das Training wurde nur noch auf Sparflamme fortgeführt. Ende August war es dann wieder so weit. Das Training wurde langsam intensiviert. Der Trainingsplan von 2019 begann im Oktober von neuem und musste im März nochmal auf den neuen Termin 15. August angepasst werden. Meine Trainingsgruppe mit Wolle und Wolfi verbrachte jetzt immer mehr Zeit zusammen auf den Rädern. Die Rad- und Laufstrecken wurden immer länger. Es lag noch ein halbes Jahr hartes Training vor uns in das man private Verpflichtungen und Termine immer wieder mit einbauen musste.

Die letzten Wochen waren hart und ich hatte mich entschieden den Ironman nicht als Wettkampf zu sehen, sondern als ein Event. Gegen wen hätte ich auch kämpfen sollen? Gegen meine Freunde Wolfgang und Wolfgang, mit denen ich eine zweijährige Vorbereitung absolviert hatte? Das war nicht der Plan. Den roten Teppich am Römer zu erreichen, das war der Plan.

Um 6:55 Uhr war mein Start als Agegrouper. Mit einer Zielzeit von größer 1:35 Stunden beim Schwimmen am Langener Waldsee hatte ich mich in die letzte Startgruppe eingereiht. Durch einen rolling Start, bei dem alle 2 Sekunden 4 Athleten auf die Schwimmstrecke geschickt wurden, war das Brodeln des Sees nicht ganz so dramatisch. Trotzdem habe ich mich aus allem Getümmel heraus gehalten. Ich hatte schnell meinen Rhythmus gefunden und kam auch mit der Orientierung gut zurecht. Die erste Runde mit 1500m hatte ich nach 38 Minute geschafft. Der für Frankfurt typische Landgang bot Zeit zum kurz durchatmen und schon ging es auf die zweite 2300m lange Runde. Die über dem See stehende Sonne machte die Orientierung nicht leichter. Nach 1:39:05 ging ich an Land und hatte meine angepeilte Zeit erreicht.

Während des steilen Anstiegs zur Wechselzone wurde der Neo schon mal vom Oberkörper ausgezogen. Der Puls ging merklich in die Höhe. Dixi oder nicht Dixi war die Frage. Ich entschied mich für nicht Dixi. Jetzt den blauen Beutel vom Ständer nehmen und ab ins Wechselzelt. Die Abläufe im Wechselzelt hatte ich in den letzten Wochen zigmal im Geiste durchgespielt. Alles was jetzt nicht am Körper war musste zum Schluss in den blauen Beutel. Den Beutel dann in der Drop Off Zone abgeben und schon ging es zum Rad. Das Auffinden des Rades war dann einfacher wie gedacht. Es hing einsam am Ständer und wartete schon auf mich. Nach 100m Schiebestrecke hatte ich die Startlinie erreicht, hinter der man auf das Rad aufsteigen durfte. An der Garmin Uhr die Lab Taste drücken. 10:35 Minuten Wechselzeit waren bis dahin vergangen.

Die ersten 13 km bis nach Frankfurt verlaufen ziemlich flach und ich konnte mich erst mal meiner Verpflegung widmen. Flüssigkeit, Powerbar und Gel hatte ich als Eigenverpflegung dabei. Hunger hatte ich noch keinen, aber ich war mir bewusst, dass ich regelmäßig Energie zuführen muss. Es lagen noch viele Stunden vor mir. Nicht umsonst nennt man den IRONMAN den längsten Tag des Jahres. Schon um halb Drei begann mein Tag mit einem ausgiebigen Nudelfrühstück. Ab Vier Uhr fuhren die Shuttelbusse und um fünf Uhr öffnet die Wechselzone am Langener Waldsee.

Nach kurzer Zeit war auch schon die „Alte Mainbrücke“ im Herzen von Frankfurt erreicht. Rechts abbiegen und dann ging es auf die anspruchsvolle Radstrecke. Mit über 1600 Höhenmetern und sehr unruhigem Verlauf ist die Strecke eine echte Herausforderung. Bald schon lag „The Beast“ vor mir. Der lang gezogene Anstieg machte seinem Namen alle Ehre.

Wo es bergauf geht, geht es auch mal bergab. Jetzt kann man hier richtig Tempo machen, wenn man viel investiert. Meistens hab ich mich in diesen bergab Passagen mit Gel und Powerbar verpflegt und ausgiebig getrunken. Erst dann stieg die Trittfrequenz wieder auf 80-90 RPM. 

Bei km 31 erreicht man Maintal-Hochstadt. Hier begrüßt einen „The Hell“. Dieses ca. 250m lange mit Kopfsteinen gepflasterte Teilstück ist wirklich die Hölle. Alles was nicht Niet- und Nagelfest mit dem Rad verbunden ist wird gnadenlos abgeworfen. Meine Geschwindigkeit sinkt gefühlt gegen Null, weil ich einen Durchschlag und damit einen Plattfuß unter allen Umständen vermeiden will. Nach einer gefühlten Ewigkeit hat man die Hölle hinter sich gelassen und kurze Zeit später geht es durch Wachenbuchen. Danach muss man wieder hellwach sein denn es folgt der gefürchtete „Hühnerberg“. Dieser mit 1,6km lange Anstieg will einfach nicht enden. Oben angekommen wird wieder verpflegt und getrunken. Dieses Ritual muss wie selbst verständlich ablaufen. Nur nicht in den Tunnel kommen und alles andere vergessen. Das würde sich auf jeden Fall rächen, wenn der Hunger erst mal da ist, ist es zu spät. Eine nachträgliche Zufuhr von Kohlehydraten ist nicht möglich. Was fehlt das fehlt. Nach einer kurzen steilen Abfahrt kommen schon die nächsten Wellen. Hoch und runter geht es vorbei an Kilianstädten. Ab Nidderau folg ein etwas flacheres ruhiges Stück.  Vorbei an Eichen und Höchst erreicht man Altenstadt. Der namenlose, aber trotzdem steile Anstieg führt uns an den nördlichsten Punkt der Strecke, Stammheim. Auf schlechter Wegstrecke geht es steil hinunter in den Ort. Hier muss man die Geschwindigkeit stark reduzieren, denn eine scharfe Linkskurve leitet den Rückweg nach Frankfurt ein. Es folgen unzählige An- und Abstiege, die Temperatur steigt unaufhörlich und übersteigt irgendwann die 30 Grad Marke. Man merkt nicht wie viel man schwitzt und Flüssigkeit verliert. An den Verpflegungsstellen, die ca. alle 25-30km vorhanden sind, gilt es einen gewissen Ablauf einzuhalten. Eine Ankündigung 500m vorher lässt einem Zeit zu überlegen, was man alles aufnehmen möchte. Am Anfang, des ca. 200m langen Bereichs, gibt es eine „Waste Zone“. Hier kann man leere Flaschen und sonstigen Müll entsorgen. Dann folgen Stationen, an denen man Flaschen mit Wasser oder Iso aufnehmen kann. Danach folgen Riegel, Bananen und Gel. Die Aufnahme geht folgendermaßen von statten. Der freundliche Helfer*in ruft was er anzubieten hat und streckt einem die Hand entgegen. Nun versucht man das jeweilige Produkt zu erhaschen. Je nach Geschwindigkeit ist das gar nicht so einfach. Aber es stehen immer genug Helfer*innen bereit und beim nächsten Versuch klappt es bestimmt. Am Ende der Verpflegungsstelle kommt noch eine „Waste Zone“ in der man schon mal die Bananenschale oder das leere Geltütchen entsorgen kann. Nur in den „Waste Zonen“ ist es erlaubt Müll zu entsorgen. Wird man, von den auf der Strecke patrouillierenden Kampfrichten, erwischt wie man absichtlich Müll entsorgt, kann das zu einer Disqualifikation führen.

Die Kampfrichter überwachen auch das Windschattenfahren und die Überholvorgänge. 15m Abstand zum Vordermann sind vorgeschrieben. Beim Überholvorgang sind 5m zu Seite als Abstand einzuhalten. Ein begonnener Überholvorgang muss nach 30 Sekunden abgeschlossen sein und darf auch nicht abgebrochen werden. Im schlimmsten Fall zieht ein Verstoß gegen diese Regeln eine Zeitstrafe von 5 Minuten nach sich. Diese müsste dann in einem Penaltyzelt an der Strecke abgestanden werden.

Bei Kilometer 90 lässt man Bad Vilbel rechts liegen und fährt tendenziell bergab Richtung Innenstadt. Das fühlt sich gut an, birgt aber genauso viele Risiken. Höchste Aufmerksamkeit ist gefragt. Der Zustand der Straße wird immer anspruchsvoller. Unebenheiten, Löcher, Kanaldeckel, Schienen und überall weis/rote Pylonen lassen mich eher in einer moderaten Geschwindigkeit von 30km/h als mit voller Power dahingleiten. Als Nächstes kommt wieder die „Alte Mainbrücke“ in Sicht, dieses Mal von der anderen Seite. An dieser Stelle würde man schon gerne nach rechts in die Wechselzone einfahren, aber es fehlen ja noch etwas mehr als 80km. Also geht es nach Links und das Spiel beginnt von vorne.

Auf der zweiten Runde hat nicht nur die Temperatur noch mal zugelegt, auch der Wind hat deutlich zugenommen. Mit zunehmender Zeit bekam ich große Schmerzen im rechten Fuß. Dies hat mir besonders am Berg zu schaffen gemacht.  Aber heute war mein Tag. Ich war fokussiert und mental stark. Ich konnte die Schmerzen ignorieren und mein Rennen fahren.

Nach 6:50:20 Stunden bin ich zwar 20 Minuten später als in der von mir anvisierten Zeit in die Wechselzone 2 eingefahren, aber die Strecke war schwer, es war warm und es war kein „All In“ angesagt, schließlich liegt ja noch ein Marathon vor mir. Vor der Wechselzone war wieder Vorsicht geboten. Steil bergab kam die Linie schnell näher und man muss vorher runter vom Rad. Das Rad schiebend, den Helfer gesucht der mir den Platz für mein Rad zuweist. Dann zum Ständer mit den roten Beuteln und rein in das Wechselzelt. Die Temperatur im Zelt war natürlich nicht besser als draußen. Sofort schoss mir der Schweiß aus allen Poren. Meine Gedanken drehten sich um meinen Fuß. Würden die Schmerzen bleiben? Kann ich so einen Marathon laufen?

Generell hatte ich das Rennen nie als Ganzes gesehen. Hätte ich vor dem Schwimmen den kompletten Zeitraum realisiert, wäre ich wahrscheinlich erst gar nicht losgeschwommen. Also zwei Runden Schwimmen. Dann nicht 180km Radfahren, sondern nur die Teilabschnitte vor Augen führen. Auch der Marathon besteht aus vier Runden und alle ca. 2,5km gibt es eine Verpflegungsstelle.

Noch immer im Zelt sitzend entschloss ich mich auch die Socken zu wechseln. Ich massierte meine Füße und hoffte, dass alles gut werden würde. Nach 11 Minuten Wechselzeit ging es endlich auf die auf die Marathonstrecke. Dann folgte ein erster Gänsehaut - Moment. Eine Gruppe Freunde und meine Frau standen mit einem Plakat an der Strecke und feuerten mich frenetisch an. Das gab Kraft und machte Mut. Die Sonne stand zu diesem Zeitpunkt noch voll über dem Mainufer.

Alle 2,5km gab es eine Verpflegungsstelle an denen ich alles an verfügbaren Getränken zu mir genommen habe. Wasser, Wasser mit Salz, Iso, Gatorade, Red Bull, Cola. Ohne Rücksicht auf meinen Magen habe ich die Flüssigkeit in mich hinein geschüttet, auch weil ich wusste, dass es richtig ist. Ohne Flüssigkeit würden unweigerlich irgendwann die Krämpfe beginnen und dann wird das Laufen zur echten Qual. Die ersten zwei Runden (ca. 21km) vergingen wie im Flug, auch weil immer wieder meine Fans an der Strecke standen und mir zu riefen „Du siehst gut aus“, „Du läufst noch locker“, „Du schaffst das“. Ich wusste zwar, dass nicht alles stimmt, aber eins hatte ich mir fest vorgenommen „Ich schaffe das“, ich will unbedingt auf dem roten Teppich hinauf zum Römer laufen.

Ich hatte schon zwei Runden-Bändchen, die es an der Gerber Mühle gab, da stand eine Zeit von 2:19 Stunden auf der Uhr. Langsam machten sich Probleme in den Oberschenkeln bemerkbar. Die Muskulatur wurde zunehmend härter, aber kein Krampf. Also immer wieder Flüssigkeit nachfüllen und die Oberschenkel mit Eiswasser kühlen. Die Verpflegungsstellen wurden schon seit einiger Zeit im Gehen absolviert und am Ende des Bereichs wurden die nächsten 2,5km als Ziel im Kopf verankert.

Ich musste meinen Laufstil umstellen, um den Druck in den Schenkeln zu verringern. Das dritte Bändchen war schon in Sicht, da hatte ich die ersten Gedanken daran, dass es wirklich klappen kann, dass ich den Marathon durchstehe, dass ich den Römer erreichen werde. Ich musste nur fokussiert bleiben, mich auf meinen Körper konzentrieren und mich immer wieder gut verpflegen. Auch wenn es schwerfällt, Gel und Getränke müssen immer wieder zugeführt werden. Eiswasser zur Kühlung stand ebenfalls an jeder Station zur Verfügung. Noch immer keine Krämpfe, also alles richtig gemacht.

Die letzte Runde wurde dann zu einer echten Herausforderung die nur mit einigen Gehpassagen zu Ende gebracht werden konnte. Mit dem vierten Bändchen am Arm und der Gewissheit, dass das Ziel nur noch 2,5km entfernt war, kam ein Glücksgefühl in mir hoch. Ich schaffe es. Dann der entscheidende Moment, nicht mehr Geradeaus, sondern rechts ab auf den roten Teppich. Noch ein paar normale Schritte und dann wurden diese immer kürzer und dann ging ich. Ich war glücklich und stolz. Als Daylight-Finisher habe ich nach 13:43:27 Stunden, den Einlauf auf dem roten Teppich von Frankfurt genossen, nicht im Sprint, gehend und unter dem Jubel meiner Frau und meinen Freunden hab ich die legendären Worte "You Are An IRONMAN" entgegengenommen.

Noch immer bin ich Stolz und überglücklich das ich diesen Traum verwirklichen konnte. Mir steht das Grinsen noch heute im Gesicht. Grinsen im Gesicht und im Rest des Körpers Muskelkater das sind die Merkmale meines ersten Ironmans. Ob es der letzte war? Für dieses Jahr bestimmt. Wiederholung allerdings nicht ausgeschlossen.

Swim : 1:39:05 / T1 : 10:34 / Bike : 6:50:20 / T2 : 11:00 / Run : 4:52:29 / Sum : 13:43:27

Mainova Ironman Frankfurt 2021

ein Bericht von Isabel Eger.

Wenn sich jemand entschließt an einem Ironman teilzunehmen ist es unter normalen Umständen schon eine wirkliche Herausforderung. Es braucht monatelange Vorbereitung, mentale Stärke und einen leistungsfähigen Körper. Und am Ende muss an dem einen Tag alles abgestimmt sein, die Tagesform muss passen, der Wille muss da sein. Denn an der Ziellinie sind die Qualen vergessen: Der Schmerz vergeht, der Stolz bleibt.

Diesen Plan hatten die drei TSV-ler, als sie sich vor zwei Jahren für den Ironman Frankfurt anmeldeten. Damals dachten Wolfgang, Olaf und Wolfgang (kurz WOW) noch, dass sie in 2020 an den Start gehen dürfen. Doch dann kam Corona und damit auch die Absage für ein solches Großevent. Der Wettkampf wurde um ein Jahr verschoben, für Ende Juni 2021, alle Anmeldungen blieben gültig. Die drei Niestetaler Sportler passten dementsprechend ihre Trainingspläne an. Form weiter hochhalten und das letzte halbe Jahr davor dann gezielten Trainingsaufbau betreiben. Und zu den natürlichen Herausforderungen kamen noch weitere erschwerende Umstände hinzu. Das Schwimmtraining war nicht mehr so möglich wie in 2019. Wer zu Hause keine eigene Schwimmbahn hat und in Winter auf ein Bad in der Fulda verzichten möchte, dem bleiben nur Trockenübungen an Land. Und auch das Rad fahren und laufen war eine lange Zeit lang nur einzeln erlaubt, was natürlich noch gut möglich ist, aber ein Training mit großer Gruppe ist manchmal eben doch besser. Aber wie schon beschrieben brauchen Ironmänner einen starken Willen und den konnten unsere Sportler jetzt schon unter Beweis stellen. Alle drei behielten ihr Ziel im Blick und konzentrierten sich auf ihre Trainingseinheiten. Alle drei steigerten ihre Leistungsfähigkeit von Monat zu Monat und alle drei standen am 15.08.2021 am Start in Frankfurt, nachdem der Termin kurzfristig noch von Juni auf August verschoben wurde.

Wolfgang Schier als „alter Hase“, der schon einige Ironman-Wettkämpfe hinter sich gebracht hat und es einfach nicht lassen kann. Olaf Katzer, der sich mit seinem ersten Ironman einen Traum verwirklichen will. Und Wolfgang Eger, der seinen ersten Iron-Titel in 2018 geholt hat und das Erlebnis einfach nochmal erleben möchte. Einen Abend zuvor gibt es zusammen ein großes Nudelessen, gemeinsam mit den mitgereisten Familien, sowie Jörg und Susi Bettenhausen, die am Wettkampftag alle zum Anfeuern und Durchjubeln bereitstehen wollen.

Früh am Sonntagmorgen um halb sieben beginnt dann der Countdown. Die Profis rennen am Langener Waldsee ins Wasser, bis dann nach kurzen Zeitabständen auch alle anderen an den Start dürfen. Gleichzeitig starten Wolle, Olaf und Wolfi auf die schwimmend zu bewältigende Distanz über 3,8 km. An der Seite im Sand steht die mitgereiste TSV-Fangruppe und schreit die drei ins Wasser. Per Tracking-App können sie und alle Daheimgebliebenen jetzt den Wettkampf der Athleten verfolgen. Es gibt einen Trackingpunkt auf der Karte, der die aktuelle Position anzeigt, sowie eine Übersicht, in der die Zeit für gewisse erreichte Spots und eine Hochrechnung für das nächste Zwischenziel angezeigt wird. Darauf ist gut erkennbar, wie die Lücke zwischen den drei eingestellten Punkten stetig wächst. Nach 01:35:40 h kommt Wolfang S. als erstes aus dem Wasser. Die Zuschauer jubeln am Wasserausstieg, schnell weitergelaufen zur Wechselzone, während seine Frau Sabine schon zu den ersten Fahrradmetern sprintet, um ihren Mann dort ein weiteres Mal zu sehen. Nicht weit dahinter, nach 01:39:05 h erreicht Olaf die Zwischenzeit. Teil eins ist geschafft, seine Frau Petra ruft ihm viel Erfolg zu und da ist er auch schon den kleinen Anstieg hochgelaufen und macht sich bereit für die nächste Disziplin. Lange muss Wolfgangs Familie, Petra, Martin und Isabell, nicht warten, denn nach 01:47:06 h hat auch Wolfgang E. wieder festen Boden unter den Füßen. Die Premiumfans laufen schnell zum Wechselpunkt, um Wolfgang dort noch auf das Fahrrad steigen zu sehen, denn jetzt heißt es für die Zuschauer erst einmal abwarten, bis die Triathleten 180 km auf ihren Rädern absolviert haben. Die drei TSV-ler sind zu dem Zeitpunkt froh bereits einen Haken auf ihrem To-Do-Plan abhaken zu können. Das Schwimmen war für keinen von ihnen die favorisierte Disziplin, ganz anders als das Rad fahren, an dem alle drei schon deutlich mehr Gefallen finden. Vor allem die Orientierung beim Schwimmen gegen den Sonnenaufgang fiel nicht leicht. Wolfgang S. wusste dank seiner Erfahrung wie am besten auf der Strecke geblieben wird, Olaf nahm sich die grell orange leuchtenden Bojen zur Hilfe, nur Wolfgang E. ließ sich ein paar Extrameter nicht nehmen und schwamm hin und wieder nicht ganz auf Kurs. Die auf dem See verteilten Helfer wussten die leicht abgedrifteten Starter allerdings wieder in die richtige Richtung zu lenken. Als erstes Fazit wurde bis zu diesem Teil des Rennens schon deutlich, dass in diesem Jahr weniger „Hobby-Athleten“ als gewöhnlich am Start stehen. Die vielen Rennverschiebungen und die erschwerten Trainingsbedingungen haben nochmal ordentlich ausgesiebt, wodurch diejenigen, die ihren Willen bewiesen haben nur noch mehr Anerkennung verdienen. Für die Teilnehmer geht es auf dem Rennrad weiter Richtung Frankfurt. Fast beim Römer angekommen müssen sie nochmal abbiegen für die zweite Runde. Praktisch für die Zuschauer, denn durch die Streckendopplung können sie ihre Athleten nochmal sehen. Aus bekannten Gründen konnte der HR leider keine Stimmungsbühne aufbauen, doch die gekommenen Fans geben ihr Bestes, dass dieser Umstand unbemerkt bleibt und sorgen mit Plakaten, Ratschen, Megafonen und anderen Hilfsmitteln für viel Lärm. Wolfgang S. baut seinen Vorsprung vor seinen Trainingskollegen kontinuierlich aus. Auf der Strecke braucht er dennoch seine Ironman-Erfahrung, denn unbemerkt lockert sich sein Getränkehalter, bis sich dieser schließlich ganz vom Fahrrad löst. Wolfgang kann noch eine Flasche retten, die er sich in den Anzug steckt und ist nun ganz auf die Verpflegungsstationen angewiesen, an denen er sich so gut wie es geht versorgt. Später beschreibt er die Situation so: „Genau diese Erlebnisse gehören zu einem Ironman dazu. Probleme, die man nicht lösen kann, muss man ignorieren“. Mit dieser Einstellung schafft er es bei sich zu bleiben und kommt mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 30,04 km/h nach 06:05:35 h in der Wechselzone zum Laufen an. Olaf übersteht das Radfahren ebenso gut und kann nach 06:50:20 h und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 26,76 km/h absteigen und weiter zum Wechselzelt laufen. Auch er bringt die 1.600 Höhenmeter gut hinter sich und nutzt die Verpflegungsstellen, wo immer es geht. Bergauf wird geackert, Bergab ist Zeit, um Powergels und Flüssigkeit zuzuführen. Wolfgang E. fühlt sich auf der Strecke gut, er trotzt den Bergen, die dieses Jahr auf der leicht veränderten Route hinzugekommen sind. Nach der ersten Runde kann er Freunden und Familie noch strahlend zulächeln und auch nach der gesamten Disziplin sind noch eine gute Körperspannung und der Wille erkennbar.

Bild 1: Wolfgang Eger nach der ersten Runde
Er absolviert die Radstrecke mit einem Tempodurchschnitt von 25,17 km/h und braucht dafür 07:16:11 h. Nun befinden sich alle Teilnehmer vom TSV auf der Laufstrecke. Bisher ließ sich noch niemand von dem plötzlich so heißen Wetter behindern. Im frühen Morgen sorgte die Wassertemperatur für die nötige Kühle und auf dem Rad trug der Fahrtwind vermutlich zur Erfrischung bei. Die Vorhersage beschrieb eine leichte Wolkenfront am Nachmittag, worauf auch alle Zuschauer hofften, denn ein Marathon wird nicht grade leichter, wenn die komplette Strecke von puren Sonnenstrahlen begleitet wird. Die Fangruppe bezieht ihr Basislager erstmal am Streckenrand im Schatten eines großen Baumes, um von hieraus alle Teilnehmenden anzufeuern und zwischendurch einige Teams über die Brücke auf die andere Seite zu schicken, um die persönlichen Helden öfter zu sehen. Wolfang S. läuft souverän die vier Runden am Mainufer entlang und kann dabei auf seine Sabine zählen, die ihn kein einziges Mal auf beiden Uferseiten verpasst. Auch die übrige Truppe veranstaltet ordentlich Lärm, wenn er angelaufen kommt. Zu den Zuschauern gesellen sich am Nachmittag noch Susanne und Jürgen Dieterich. Nun in voller Zahl gibt es genug Hände zum Plakate hochhalten, Klatschen, Rasseln und Jubeln, sobald ein Athlet das Basislager passiert. Olaf kämpft derweil beim Laufen mit verhärteten Oberschenkeln und behilft sich an den Verpflegungsstationen mit Eispads, die er sich zwischen Hose und Oberschenkel klemmt. Er lässt kein Getränkeangebot aus und versorgt seinen Körper so mit genug Flüssigkeit, wahrscheinlich schon beim Gedanken an das Bier, das er sich am Abend schon fest versprochen hatte. Wolfgang E. hat seit der ersten Runde mit seinem Magen zu kämpfen. Er versucht ihn zwischendurch mit Gehen und ruhigem Atem zu beruhigen, doch leider ohne Effekt. Am Ende schafft er einen ganzen Halbmarathon, dann sendet sein Körper eindeutige Zeichen, die nicht ignoriert werden können. Er weiß, dass es keine Entscheidung aus mangelndem Willen oder Können war, sondern dass man als Sportler auf seinen Körper hören muss und so beendet Wolfgang Eger sein Rennen, nach 3,8 km durch den See, 180 km auf dem Rad und 21 km zu Fuß am Mainufer. Two and a half Iron-Man sozusagen. Und auf jeden Fall mein Iron Dad.

Bild 2: Noch läufts
Für die zwei anderen TSVler wird das Ziel immer erreichbarer. Wolfang Schier darf als erster den roten Teppich entlang zum Römer abbiegen.

Bild 3: Olaf Katzer auf der Laufstrecke

Bild 4: Fans mit Plakat
Hier werden die Finisher vom HR-Moderator im Ziel begrüßt. YOU ARE AN IRONMAN. Diese Worte tragen jeden Starter über die Ziellinie. Hierher hat Wolfgang es wieder einmal geschafft. Für 42,195 km Laufen hat er 04:40:19 h gebraucht mit einem durchschnittlichen Tempo von 06:39 min/km. Insgesamt steht bei seiner Zielzeit inklusive Wechselzeiten 12:35:17 h, eine unglaubliche Leistung. Damit belegt er Platz 780 von Insgesamt 1.031 Finishern.

Bild 5: Wolfgang Schier auf dem Weg zum Ziel
Olaf hat noch eine ganze Strecke vor sich, aber mit jedem Meter rutscht das Ziel näher vor Augen und die Gewissheit, dass der Moment kommen wird. Als die Fantruppe ihn ein letztes Mal auf der Strecke anfeuert weiß er, das nächste Mal sehen wir uns im Ziel. Und dorthin kommt er dann auch, er schafft den Marathon nach 04:52:29 h mit einem Tempodurchschnitt von 06:56 min/km. Damit kommt er auf eine Zielzeit über 13:43:27 h, mit der er Platz 933 von 1.031 Finishern belegt. Stolz kommt Olaf ins Ziel, vorgestellt vom Moderator: „Das ist Olaf, er ist 61 Jahre jung und schafft heute seinen ersten Ironman!!“. Im Zielbereich wartet Wolfang Schier auf ihn, mit zwei Bier in der Hand. Endlich können sie anstoßen auf eine wirklich tolle Leistung und sich einfach nur gut fühlen. Von Ironman zu Ironman können sie jetzt ihre Erlebnisse besprechen und sich von Freunden und Familie feiern lassen, für einen Moment, an den man sich sein Leben lang erinnert. Und wie man hört: Wiederholung nicht ausgeschlossen. Aber jetzt ist erstmal Zeit das Jetzt zu genießen.

Beim gemeinsamen Frühstück am nächsten Morgen lassen sich die Ereignisse Revue passieren. Die Sportler erzählen von ihren Eindrücken, die Familie von den Emotionen an der Strecke. Ein Wochenende mit vielen Auf und Abs geht zu Ende. Insgesamt lässt sich die Leistung von Wolfgang, Olaf und Wolfgang so zusammenfassen: Ihr seid einfach WOW!!!

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